Hornissenkönigin

Lebenslauf einer Hornissenkönigin  

Im Laufe des Frühjahrs, in der Regel Anfang Mai, erwachen die ersten wärmeliebenden Hornissenjungköniginnen aus ihrer Winterstarre. Den Winter haben sie möglichst gut versteckt an frostgeschützten Stellen verbracht.

Noch etwas unbeholfen machen sie sich zunächst auf die Suche nach süßen Baumsäften, um Nahrung zu tanken. Doch auch  Fliegen, Wespen, Mücken und ähnliches werden gejagt, da die Jungköniginnen zur Aktivierung ihrer Eierstöcke auf eiweißreiche Ernährung angewiesen sind.

So gestärkt macht sich jede Jungkönigin nach einigen Tagen auf, einen geeigneten Nistplatz zu suchen. Vorzugsweise sucht sie sich ein Plätzchen am Waldrand in einer ausgedienten Baumhöhle. Doch solche Plätze sind rar und so sieht sie sich gezwungen, auch im Lebensraum der Menschen zu suchen, in Vogelhäuschen, Schuppen, unter dem Dach oder gar in der Hausverkleidung.

Hat die junge Hornissenkönigin eine ihr geeignet erscheinende Stelle gefunden, beginnt sie mit der Gründung eines neuen Hornissenstaates. Zunächst nagt sie an morschem Holz kleine Stücke ab und kaut diese ordentlich durch.

Abgebrochene Nestgründung von einer Hornissenkönigin

Zusammen mit ihrem Speichel entsteht eine kleine Kugel. Diese wird zum gewählten Ort geschafft und die Königin startet den Baubeginn, indem sie zunächst ein kleines Stielchen formt.

Abgebrochene Nestgründung in einem Hummelkasten                         

An diesem Stielchen beginnt sie die ersten Wabenzellen zu bauen, wobei sie darauf achtet, dass sich die Zellöffnung unten befindet.  In diese Zellen legt sie jeweils ein Ei, aus welchem nach ca.  fünf Tagen eine kleine Larve schlüpft. Nun beginnt für die Hornissenkönigin eine sehr anstrengende Zeit, sie muß ohne Unterlaß arbeiten und Insekten zur Fütterung der Larven fangen. Von der Beute trennt sie Kopf, Hinterleib, Flügel und Beine ab und verwendet nur das eiweißreiche Brustfleisch. Außerdem muß sie weitere Baumaterialien besorgen, ihr begonnenes Nest vergrößern, weitere Eier legen und nicht zuletzt, ihre Brut wärmen. Dazu beginnt sie auch mit dem Bau einer Schutzhülle  um die Waben. Also Streß pur.

Hierbei ist sie großen Gefahren ausgesetzt und widriges Wetter sorgt für ein Übriges.Innerhalb der nächsten 12-14 Tage nimmt die anfangs winzige Larve deutlich an Körperfülle zu.

Dabei ist nicht zu befürchten, dass sie aus der Zelle fällt. Anfangs wird sie durch ein klebriges Sekret gehalten und mit wachsendem Leibesumfang füllt sie die Zelle aus und wird dadurch gehalten. Hat die Larve alle ihre fünf Stadien durchlaufen, beginnt sie selbst ihre Zelle mit einem Seidenfaden zu schließen, indem sie einen Deckel formt.

In ihrer geschlossenen Larvenwiege verwandelt die Larve sich nun in den nächsten 13-15 Tagen in eine Hornisse.  Die Entwicklung vom Ei bis zur erwachsenen Hornisse schwankt durch die oft starken Temperaturunterschiede im Frühjahr.

Hornissenkönigin vor dem Abflug

Ist die Entwicklung beendet, beißt sich die Hornisse selbstständig durch ihren Zelldeckel und schlüpft. Ganz junge Hornissenarbeiterinnen sehen noch recht blass aus und erhalten erst ein wenig später ihre charakteristische Färbung. Nach zwei bis drei Tagen fliegen sie zum ersten Mal aus.

Hornissenkönigin beim Abflug aus einem Hummelkasten

Die ersten Arbeiterinnen schlüpfen ca. vier Wochen nach der Nestgründung und beginnen mit der Unterstützung der Königin. Nach dem  Schlupf von fünf bis zehn Arbeiterinnen verläßt die Königin das Nest nicht mehr. Die Arbeiterinnen übernehmen es, Baumaterial und Nahrung/Insekten zu beschaffen,  die Zellen zu bauen und die Brut zu versorgen. Dabei ernähren sich erwachsene Hornissen nur von Baum-/Pflanzensäften. Auch Obst wird nicht verschmäht. Sie brauchen Kohlehydrate. Die Königin legt nur noch Eier in die Wabenzellen.

Die gefährlichste Zeit für das Hornissenvolk ist nun vorbei. In der Zeit des Nestaufbaus wird eine Wabenetage an die andere von oben nach unten angebaut, so dass sich im Laufe des Sommers ein längliches, kunstfertiges Gebilde bildet, welches von einer schützenden, muschelartigen Hülle umgeben ist.

Hornissenwaben mit ersten Maden

Königin und Larven werden bestens von den Arbeiterinnen umsorgt. Hierbei kratzen die Larven mit ihren Kieferzangen rhytmisch an ihren Zellwänden, um die Arbeiterinnen anzuregen, neue Nahrung

zu besorgen. Dabei entsteht ein deutlich hörbares Geräusch, das sogenannte Hungerkratzen.

Zwei Wabenetagen mit Larven

Die Larven ihrerseits sind in Notzeiten in der Lage ein Futtertröpfchen abzugeben, um Arbeiterinnen und Königin über schlechte Tage hinweg zu unterstützen. An heißen Tagen wird Wasser zur Kühlung der Waben herangeschafft. Das Wasser wird auf den Waben verteilt, damit es verdunstet und einige Arbeiterinnen fächeln mit den Flügeln frische Luft in das Nest.

Die Hornissenkönigin legt zunächst nur Eier, aus denen sich Arbeiterinnen entwickeln. Diese hält sie mit der Verbreitung bestimmter Pheromone „in Schach“, sodaß sich die Eierstöcke der Arbeiterinnen nicht entwickeln. Im späten Sommer hat das Hornissenvolk seinen Höhepunkt erreicht und kann eine Volksstärke von 400 bis 700 Tieren erreichen.

Zu dieser Zeit beginnt die Königin mit der Eiablage von Drohnen, indem sie diesen Eiern keine Spermien zuführt, die in ihrem Körper gespeichert sind. Spezielle Muskeln befähigen sie zu dieser individuellen Entscheidung. Evtl. auftretende, eierlegende Arbeiterinnen können daher nur Eier legen, aus denen sich Drohnen entwickeln, da sie nicht befruchtet sind.Aus den Eiern, welchen die Königin Spermien zuführt, entwickeln sich nun Jungköniginnen.

Mit dem Schlupf von Geschlechtstieren beginnt der Untergang des Hornissenvolkes. Die alte Königin wird nicht mehr richtig versorgt und stirbt schließlich im Laufe des Spätsommers/Herbstes.

Die noch vorhandenen Larven werden nach dem Schlupf der meisten Geschlechtstiere kaum noch betreut, denn die Arbeiterinnen müssen die Jungköniginnen mit reichlich Eiweiß und Kohlehydraten versorgen, die diese Nahrung zur Entwicklung ihrer Eierstöcke und für eine „Speckschicht“ für den Winter benötigen. Es kommt zum „Hinauswurf“ von Larven.

 An schönen, warmen Herbsttagen schwärmen die Jungköniginnen und Drohnen aus und die Zeit der Hornissenhochzeiten beginnt. Während die Männchen nach erfolgter Begattung nach und nach sterben, suchen sich die Jungköniginnen geeignete Überwinterungsplätze, um im nächsten Frühjahr einen neuen Hornissenstaat zu gründen.

Das alte Nest stirbt langsam aus, die unversorgten Larven sterben und fallen aus ihren Zellen heraus  oder werden von den Arbeiterinnen aus dem Nest befördert. Bis zum Schluß wird das Nest von den noch vorhandenen Arbeiterinnen saubergehalten. Mit mangelndem Nahrungsangebot sterben auch die letzten Arbeiterinnen und  Ende Oktober  ist das Nest meist leer.

© Angelika Leistikow